Geigen-Virtuosin Caroline Adomeit unterstützt alleinerziehende Mutter von drei Kindern
Caroline Adomeit zog mit ihren „musikalischen Saitensprüngen“ das Publikum in der Eppsteiner Talkirche in ihren Bann. RMB/Margielsky EPPSTEIN Schon immer garantieren die Konzertreihen der Eppsteiner Talkirche einen außergewöhnlichen Hörgenuss. Doch das Neujahrskonzert „Musikalische Saitensprünge von Bach bis zum Tango“ mit der Geigerin Caroline Adomeit und dem Pianisten Rochus Holewik stellte in jeder Hinsicht eine Besonderheit dar.
Vom tragischen Schicksal einer Familie aus Zeilsheim tief berührt, entschloss sich die junge Virtuosin das Konzert in Eppstein in eine Benefizveranstaltung zu wandeln, um die gesammelten Gelder dieser Familie zukommen zu lassen. Der Hintergrund: Laurence Taburet, gebürtige Französin und Mutter dreier Kinder (fünf, sieben und zehn Jahre), wurde im Oktober 2006 bei einem tragischen Verkehrsunfall in ihrem Wohnort Zeilsheim schwer verletzt. Mit dem Fahrrad unterwegs, wurde sie von einem Betonmischer erfasst und verlor dabei ein Bein, das andere zur Hälfte. Tatkräftige Unterstützung fand die Alleinerziehende bei vielen Zeilsheimer Bürgern und der dortigen Kirchengemeinde. Dazu gehörte auch ein behindertengerechter Umbau ihrer Wohnung. Auch Caroline Adomeit entschloss sich mit ihrem bereits zweiten Benefizkonzert zur weiteren Hilfe, unterstützt von der Eppsteiner Talkirchengemeinde.
Die junge Geigerin stammt aus einer englisch-deutschen Musikerfamilie und erhielt ihren ersten Violinunterricht mit sechs Jahren. Sie studiert in Amsterdam, ist mehrfache Bundespreisträgerin und errang viele Musikwettbewerbspreise. Zahlreiche Soloauftritte im In- und Ausland machten die noch junge Virtuosin überall bekannt.
Zusammen mit Rochus Holewik, dem Pianisten, Kammermusiker und Liedbegleiter stellte Caroline Adomeit ihr über drei Jahrhunderte umfassendes Musikprogramm zusammen. „Wir kennen uns schon lange und freuen uns immer, wenn wir zusammen auftreten können“, sagt die sympathische, erfrischend junge Frau, die in der Sakristei auf den Beginn des Konzertes wartet. Sie sitzt ganz entspannt am Tisch, umgeben von einem Sammelsurium von Bonbons, leichter Verpflegung, Schminkutensilien und warmen Tee. Sie ist es gewohnt, aus dem Koffer zu leben, pendelt sie doch ständig zwischen ihrem Wohnort Hamburg und Mainz, wo ihre Eltern leben, Amsterdam, wo ihr Musikprofessor lehrt und den Orten ihrer Konzertauftritte. „Bei mir ist es immer ein bisschen chaotisch“ sagt sie lachend, die sich als gute Bahnkundin bezeichnet. Wenn wenig Zeit ist zwischen den Auftritten, übt sie schon mal im Zug. „Ich empfehle das Abteil neben dem WC, da stört das Geigenspiel nicht so“.
Musik ist ihr Leben, und dass man in diesem Geschäft oft mit Ellenbogen arbeiten muss, stört sie etwas. „Ich will mit meiner Musik viele erreichen, vielen Menschen etwas geben, damit auch sie eine kleine Gabe zurückgeben, in Form von Spenden für Bedürftige“, erklärt Caroline Adomeit ihr soziales Engagement.
Die Kirchenglocken läuten, das Konzert kann beginnen, das Publikum wartet gespannt auf das ungewöhnliche Programm, das einerseits den Kontrast zwischen Werken aus drei Jahrhunderten aufzeigt, um gleichzeitig eine Verbindung zu schaffen, zwischen den unterschiedlichsten Tanz- und Bewegungskompositionen ihrer ureigensten Zeit.
Moderiert und begleitet von Rochus Holewik erfuhren die Zuhörer Interessantes über Bach, Piazolla, Bartok, Saint-Saens und Gade, während Caroline Adomeit bewusst barocke Werke, wie die Tanzsätze der Partita von Johann Sebastian Bach den Tangokompositionen Astor Piazollas gegenüberstellte. Berühmte Kaffeehausmusik wie den Tango Tzigane von Jacob Gade bildeten Parallelen zur hebräischen Melodie des polnischen Komponisten Joseph Isidor Achron.
Hoch konzentriert, mit leidenschaftlicher Musikalität und anmutiger Leichtigkeit, spielte sich die junge Geigerin in die Herzen der Zuhörer. Ein Hochgenuss.