04/19/08
Die junge Geigerin Caroline Adomeit gibt an diesem Sonntag ein Benefiz-Konzert in der Paul-Gerhardt-Kirche in Kohlheck (Wenzel-Jaksch-Straße 5). Ab 17 Uhr will sie "musikalische Frühlingsgefühle" vermitteln - und das für einen guten Zweck.
"Das fing alles ganz verrückt an", erzählt Caroline Adomeit und ist heute noch ganz begeistert von ihrem ersten Benefizkonzert. Vor einem Jahr hat die junge Geigerin zusammen mit einem Schulfreund in einer kleinen Kapelle in Mainz gespielt. Ein Zuhörer bat sie damals, ein Benefizkonzert für ein rumänisches Waisenhaus zu spielen. Dabei kamen gut 900 Euro zusammen.
"Die haben mir sogar persönlich geschrieben", freut sich die Künstlerin über die Rückmeldung aus Rumänien. "Damit hatte ich gar nicht gerechnet", sagt sie. "Dann hat sich das alles selbständig gemacht", rekapituliert sie die weiteren Geschehnisse. Mittlerweile hat sie insgesamt über 10 000 Euro für gute Zwecke erspielt.
Im vergangenen Jahr hat sie von einer allein erziehenden Mutter von drei kleinen Kindern erfahren, die in einen Unfall verwickelt wurde und beide Beine verloren hat. Bei zwei Konzerten kamen 2 600 Euro in die Spendendose, die sie direkt weitergeben konnte. "Das war Wahnsinn", strahlt sie und findet es "toll, wenn ich mit Musik jemandem helfen kann". Für sie ist das ein ganz besonderes Privileg.
Dass sie mit dem, was sie gerne macht, auch noch Gutes tun kann, empfindet sie als einen großen Glücksfall. Ein spannender Nebeneffekt ist der Umstand, dass auf diese Weise auch viele Menschen mit klassischer Musik in Berührung kommen, die sich vielleicht sonst gar nicht dafür interessieren würden, sondern erst einmal der Menschen wegen kommen, die unterstützt werden. "Klassische Musik ist nicht elitär", findet Caroline Adomeit, die derzeit bei dem weltbekannten Geiger Kolja Blacher in Hamburg studiert. Sie ist der festen Überzeugung, dass diese Musik nicht entfernt ist vom wirklichen Leben, sondern eben mitten drin stattfindet. "Musik bewegt mich und andere Menschen", weiß sie. Musikalisch sieht sie sich eher in einer "alten Tradition". Sie will das "große, reiche Repertoire" so viel wie möglich spielen, ohne sich auf eine bestimmte Stilrichtung festzulegen. Das beweist sie auch mit ihren Konzerten unter dem Titel "Saitensprünge".
Kürzlich hat sie eine Partita von Bach gespielt und in den einzelnen Sätzen, die historische Tänze markieren, den Bezug zu anderen musikalischen Tanzformen, wie etwa einem Tango von Astor Piazzolla hergestellt. "Ich bin niemand, der nur Bach spielt, obwohl ich ihn sehr liebe", sagt die 22-jährige Geigerin.
Der Erlös des Konzertes am Sonntag geht an die Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde. "Sachen, die nicht im Budget drin sind", sollen damit finanziert werden, erklärt Caroline Adomeit, die ohne Gage auftritt. Sie möchte immer auch einen persönlichen Bezug zu dem aufbauen können, wofür sie spielt. "Bei großen Projekten fehlt mir der oft und es gibt viel Bedarf direkt vor der Haustür." Die "Frühlingsgefühle" werden ein typisches Adomeit-Programm werden. Zu hören ist Beethovens Frühlingssonate, aber auch das "Liebesleid" von Kreisler und Titel aus Gershwins "Porgy and Bess". Dabei wird sie begleitet von der Pianistin Vera Hardt, die Moderation übernimmt Volker Beling, selbst Geiger am Mainzer Theater.
Quelle: http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=3248341