Nur selten kann man erleben, wie routinierte Konzertbesucher und kleine Kinder gleichermaßen gebannt auf die Bühne starren, wenn eine Geigerin Bartok spielt. Doch von Caroline Adomeit geht eine derartige Faszination aus, dass ihr das mühelos gelingt.
Die junge Musikerin eröffnete nun mit dem Pianisten Rochus Holewik und dem Schauspieler Joachim Mäder die neue Kammerkonzert-Saison im Kleinen Haus des Mainzer Staatstheaters.
"Zauberhafte Saitensprünge" hatte sie angekündigt, die vom Märchen bis zum Tango führten. Einen kleinen Wermutstropfen mussten all diejenigen hinnehmen, die sich von der Beteiligung des Schauspielers literarische Beiträge erwartet hatten. Er moderierte mit durchaus wissenswerten und spannenden Informationen über die gespielten Stücke und deren Komponisten.
Zauber des Orients
Doch auch ohne Literatur gelang es den drei Akteuren, die Zuschauer mitunter regelrecht zu verzaubern. Etwa dann, wenn der Orientalische Tanz aus "Scheherazade" von Nikolaj Rimskij-Korsakow in einem Arrangement von Fritz Kreisler erklang oder die Ballade vom " Erlkönig" mit der Musik von Heinrich Wilhelm Ernst erzählt wurde. Später wurde es temperamentvoll. Vorsichtig tastend näherte sich Caroline Adomeit dem "Oblivion" von Astor Piazzolla, suchte aufmerksam und entwickelte dann nach und nach gezielt einen intensiven, überaus sanglichen Klang. Feinsinnig und emotional gleichermaßen beeindruckte sie in diesem aussagekräftigen Stück.
Ihre bestechend saubere Intonation war schon vorher aufgefallen. Mit zwei Sätzen aus der Bartok-Solosonate Sz 117 wirbelte sie durch komplexe Viertelton-Strukturen, wobei ihr die ihr eigene hohe Präzision zugute kam.
Rasche Läufe
Technisch ist sie ohnehin mit dem besten Rüstzeug ausgestattet, was auch in der "Caprice Basque" von Pablo de Sarasate deutlich wurde. Mühelos gelangen ihr rasche Läufe und zahlreiche Spielarten und Kniffe für dieses Instrument, besonders überzeugend gelangen ihr hier die Doppelgriff-Kaskaden.
Mit dem populären Standard-Tanog "La Jalousie" von Jacob Gade beendete die Geigerin gemeinsam mit ihrem Pianisten ein wechselvolles Konzert, das von hohem Tempo und größtem musikalischen Einfühlungsvermögen geprägt war.
Rochus Holewik begleitete seine hochbegabte Partnerin, die derzeit bei Kolja Blacher in Hamburg studiert, souverän am Flügel.
Quelle: Main-Rheiner