Meisterhaftes Spiel: Geigerin Caroline Adomeit und Pianist Rochus Holewik.
uwi. BREMTHAL Ein Blick durch die großzügigen Fensterfronten der Emmaus-Kirche am Sonntagabend genügte: der tiefgrau verhangene Himmel über den Taunusbergen schickte keine Frühlingsboten, sondern meist nur platschende Regentropfen. Da hatte die evangelische Kirchengemeinde gut daran getan, musikalisch Frühlingsgefühle zu wecken. Zu Gast waren die junge Geigerin Caroline Adomeit und der Pianist Rochus Holewik.
Schon mit der "Frühlingssonate" von Ludwig van Beethoven zum Auftakt, markierte das frische und beherzte Spiel der beiden Interpreten, dass es ein meisterhafter Abend werden sollte. Beethoven, der Vollender der Wiener Klassik und Wegbereiter der Romantik hat mit seiner 5. Klaviersonate ein differenziertes Klangwerk jahresbezogener Tonsetzung geschaffen. Klavier und Violine umtänzeln sich, kokettieren, flirten, lachen, wiegen sich im Reigen und treiben im 3. Satz, dem Scherzo, ausgelassen Schabernack. Das war expressive Seelenmalerei, die die beiden Instrumentalisten spielerisch in den voll besetzten Saal tupften.
Das Spiel zeigte Kontraste in den impressionistischen Erzählungen der Wetterlaunen. Im Crescendo wurde ein heraufziehendes Gewitter förmlich körperlich spürbar und im feingewobenen Tongespinst der Piano-Stellen offenbarte sich die Zartheit aufkeimender Blütenpracht.
Im Charakterstück "Liebesleid" des Violin-Virtuosen Fritz Kreisler und den Walzer-Melodien aus dem "Rosenkavalier" von Richard Strauss wurde das Generalthema des Abends, der Frühling mit seinen sonnigen und schattigen Seiten, facettenreich ausgeleuchtet.
Zum Greifen nah
Kaffeehaus-Gemütlichkeit fand ebenso Raum, wie der Wiener Schmäh. Die Assoziationsangebote waren so intensiv, dass die in der Sonne flanierenden Großstadt-Bürger zum Greifen nah kamen. Pizzicato-Klänge eröffneten den Walzerreigen von Richard Strauss. Geigen-Virtuosin Caroline Adomeit verwies durch schnelle bis wilde Saitenstriche fast bis in den atonalen Bereich, dass der Tonsetzer nicht nur die Glückseligkeit im Auge hatte, sondern auch der Dramatik zwischenmenschlicher Begegnung auf der Spur ist.
Teil zwei des Abend sprang in die beginnende Moderne des 20. Jahrhunderts. Maurice Ravels Sonate für Violine und Klavier bediente sich bereits Elementen aus dem Jazz und nahm die leicht schräg klingenden Dissonanzen der späteren Zwölftonmusik, bewusst auf, um zu schmerzlichen Klangerlebnissen hinzuführen. Der Jubel der Zuhörer, gerade nach diesem schwierigen Stück, war sicher auch der sensiblen musiktheoretischen Einführung durch Pianist Rochus Holewik zu verdanken.
So gewappnet, war es zu verstehen, dass dieses polyphone Tönen die Geräuschkulisse der Anfänge des Maschinenzeitalters in kongenialer Weise musikalisch transponiert. Die Zeit für die Liebhaber schön klingender Harmonien kam dann wieder mit Ausschnitten aus "Porgy und Bess" von George Gershwin. Hier pendelte die Interpretation zwischen herzerweichender Zartheit und ungestümer Wildheit. Zum Finale durfte dann Geigerin Caroline Adomeit im wundersamen Werk des Basken Pablo Sarasate ihre virtuose Könnerschaft auf der Violine zeigen und kitzelte wahre Applausstürme aus einem staunenden und bewundernden Publikum heraus. Die junge Musikern, meist konzentriert in sich gekehrt, bisweilen versunken lächelnd, ließ primär ihr Instrument mit großer Intensität erzählen.
Sie lieferte damit eine erstaunlich reife Leistung ab und bildete mit ihrem Partner am Klavier ein meisterhaftes Duo. Für eine Frühlingskonzert gab es ein raffiniert zusammen gestelltes anspruchsvolles Programm von herausragender Qualität. Der Erlös aus diesem Konzert wurde gestiftet und kommt bedürftigen Familien in der Kirchengemeinde zu Gute.